Meines Lebens Lauf
(Basierend auf einer Grundfassung für die Bewerbung bei der Studienstiftung des deutschen Volkes)

Da ich die Vermutung anstelle, dass die Studienstiftung an einer (notwendigerweise ausgesprochen kurzen)  Aufzählung meiner wichtigsten Lebensdaten wenig interessiert sein kann, habe ich mich für eine (entsprechend meinem Studienfach) stark psychologisierte Darstellung meines Lebens entschieden, wie sie im Sinne einer Persönlichkeitsdarstellung allerdings durchaus angemessen erscheint

Frühe Jahre

Ich wurde am 26. Januar 1985 in München geboren. Mit meinen ersten beiden Lebensjahren verbinden mich bis auf eine Ausnahme keine persönlichen Erinnerungen. Laut den Beschreibungen von Freunden und Verwandten verlief meine körperliche und geistige Entwicklung während dieser Zeit in einem Rahmen, der nach dem aktuellen Stand der psychologischen und medizinischen Forschung als der „normale“ angesehen wird.

Noch bevor ich im Alter von drei Jahren in den Kindergarten an der Toni- Pfülf- Straße eintrat, begann sich bei mir ein reges Interesse an der Bedeutung und dem Einsatz von Wörtern und Sprache zu manifestieren. Oft, erinnere ich mich, konfrontierte ich meine Mutter mit bewussten Fragen der Art: „Was sagt man, wenn man…?“.

Im Laufe meines fünften Lebensjahres  – ich kann den Zeitpunkt nur ausgehend von meiner Körpergröße ermitteln – muss sich jenes Ereignis begeben haben, welches ich gerne als meine „geistige Geburt“ bezeichne. Es war die Erkenntnis, dass alle Gegebenheiten, die meine Umgebung bereithielt, in einer natürlichen Ordnung befindlich seien und dass es in meinen Fähigkeiten lag, die Dinge nun auch gedanklich zu kategorisieren und zueinander in Beziehung zu setzen.

Freilich war ich in solch jungen Jahren außer Stande, Gedanken dieser Art mit einem solchen Grad der Abstraktion zu artikulieren, was immer größere Teile meiner Psyche vor der Welt verschlossen hielt.

Grundschule

Da sich meine persönliche Vorstellungswelt stetig weiterentwickelte, ohne in der Realität eine Entsprechung finden zu können, erschien ich meiner Umwelt oft als Träumer, dessen Aufmerksamkeit man gelegentlich nur durch wiederholtes, lautstarkes Ansprechen gewinnen konnte. Im pädagogischen Wortgutachten meines Zeugnisses der 2. Klasse Grundschule heißt es: [Der Schüler Oliver Motz] sollte sich jedoch nicht zu sehr von seiner Gedankenwelt fesseln lassen, sondern schneller wieder auf die normale Umwelt in der Klasse reagieren.

Im Zusammenhang mit dieser und anderen Eigenschaften, fand ich mich vielfach vor meinen Mitschülern in der Rolle des Sonderlings und Außenseiters, ein Zustand, mit dem ich trotz der damit verbundenen blauen Flecken selten haderte, da er nur allzu gut zu meinem Selbstbild von einem heldenhaften Einzelgänger passte. Aus diesem Grund verhielt ich mich gegenüber anderen Menschen auch nie schüchtern oder unnahbar, sondern neigte vielmehr zu ausgesprochen provokativem Verhalten.

Gymnasium

Wenig änderte sich an diesem weltfeindlichen Verhältnis nach meinem Übertritt ans Gymnasium zum Schuljahr 95/96, abgesehen von einer stetigen Tendenz der Verschärfung, bis mich ein Beispiel der Nächstenliebe am 4. April 2001 zu einer radikalen Neuordnung meines Lebens führte und mir meine gewachsene Artikulationsfähigkeit viele meiner „Geheimnisse“ auszusprechen ermöglichte. Daran gekoppelt war auch ein rasanter Aufstieg im Sozialsystem Schule, der mir in den drei letzten Jahren meiner schulischen Laufbahn u.a. das Amt des 1. Schülersprechers zu bekleiden gestattete. Ausführliche Einzelheiten zu diesen Tätigkeiten können den Anlagen meines Zeugnisses der allgemeinen Hochschulreife entnommen werden.

Persönlich bin ich an dieser neuen sozialen Rolle mehr gewachsen als an jedweder Situation meines bis dahin vergangenen Lebens. Ich lernte die mich umgebende Gesellschaft zum ersten Mal als bergendes Gefüge kennen, statt sie wie all die Jahre zuvor als bedrohliche Flut zu empfinden. Ebenso entwickelte ich in dieser Zeit im erforderlichen Maße die Fähigkeit, mein Leben zu strukturieren und zu einer selbstverantwortlichen Arbeitsweise, auch im Team, zu gelangen.

Doch auch privat erschloss ich mir neue Wege, mein Leben zu gestalten. Seit dem 15. Mai 2002 bin ich der lyrischen Dichtkunst nicht nur als Leser sondern auch mit eigenen Schriften zugewandt. Stets empfand ich die Vollendung eines Gedichts (oder die Lektüre besonders anmutiger, fremder Verse) als eine Art Vereinigungspunkt eigener Träume mit der Realität, verbunden mit einem Gefühl, das mir durch nichts zu ersetzen ist.

Meine neu gewonnene Lebensstruktur versetzte mich dann im Verlauf der Kursphase zudem in die Lage, meine leidenschaftliche Hingabe an Sprache und Philosophie nicht nur in meinen beiden Leistungsfächern Französisch und Deutsch für einen schulischen Erfolg nutzbar zu machen.

Nach dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife am 25. Juni 2004 fasste ich den Entschluss, diese Fächer in einem Lehramtsstudium weiter zu verfolgen und sie nach meinen Erfahrungen im Grundkurs Psychologie mit einem Studium der Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt zu ergänzen.

Studium

Als ich im Herbst 2004 nach Eichstätt zog, war meine gedankliche Welt ganz und gar sprachlich. Entsprechend motiviert trat ich in die Welt der Universität ein und nahm ihre Bezeichnung wörtlich – ich suchte das Universale. Stets waren es die hinter der Sprache und ihren Blüten stehenden Prinzipien, auf die ich meinen Blick richtete. So führte mich denn meine Liebe zur Sprache zur Philosophie, der universalen Wissenschaft.

Meine Entscheidung, diese zum Kern eines zweiten Studiengangs zu machen hatte weit reichende Folgen für mein Bild von Mensch, Welt und Kunst. Am 5. Juni 2005 hatte ich ein erstes längeres Gespräch mit meinem Philosophie- Kommilitonen Philipp Drieger, der bereits seit seiner Kindheit Kunstwerke am Rechner hervorbringt und zum Zeitpunkt unseres Zusammentreffens bereits mehrere Einzelausstellungen bestritten hatte. Der surreale Charakter seiner Arbeiten faszinierte mich. Freilich kannte ich Werke wie die von Dalí oder Magritte, doch war mir traditionelle Malerei wegen ihrer handwerklichen Ausführung immer verschlossen geblieben. Erst jetzt ging mir auf, wie viele Paradoxa, um die sich die Philosophie in mühevollen Sätzen herumwand, hier einfach wie selbstverständlich im Raum standen. Diese Kunst be-geisterte mich im wörtlichen Sinne.

Meine Photoshop- Kenntnisse waren die eines Amateurs, das 3D- Rendern war mir in seiner Praxis völlig neu. Ein reiner Autodidakt, hielt ich mich dennoch für fähig, in diese neue Spähre einzudringen, um mir die Welt auf einer visuellen Ebene fasslich zu machen.

Seitdem ist über ein Jahr vergangen. Heute sind mir meine Bilder eben so wichtig wie meine Gedichte, manchmal gar zweifle ich an der Sprache selbst und muss doch zumindest zugeben, dass sie zur Übermittlung von Gedanken und Botschaften oft nicht ausreicht. Bilder sprechen vielmehr eine eigene Sprache von Farbe und Form sprechen, die mit Worten nicht wiederzugeben ist.